Trend-Renaissance: Ein Leben in Saus und Brokat

30/09/2013

Paris ist immer eine gute Idee – vor allem in Sachen Mode. Die französische Metropole gilt als Modehauptstadt und die Französinnen als Sinnbild des guten Geschmacks. Tatsächlich datiert diese Vorherrschaft in Sachen Trends und Mode schon ins Spätbarock zurück. Der französische König Ludwig XIV. war oberster Moderichter und seine persönlichen Stilanweisungen galten als Modekodex für ganz Europa. Absolutismus in stilprägender Reinkultur und mit einem klaren Favoriten: Brokat war state oft the art.

Mit den Trends ist das ja so eine Sache. Am Anfang sagt man sich häufig „Da mach ich nicht mit, das ist gar nichts für mich“. Doch plötzlich sieht man den vehement verpöhnten Look immer öfter im Street Style oder in Hochglanzmagazinen und muss sich eingestehen, dass es ja eigentlich gar nicht so schlecht aussieht, bis man sich dem Trend nicht mehr entziehen kann. So oder so ähnlich ging es wohl auch den Leuten am Hofe des Sonnenkönig Ludwig XIV, denn von Versailles aus wurden Trends geboren, die sich schnell auf dem Rest des Kontinents durchsetzen.

Das gesteigerte Reprästentationsbedürfnis der Hoheiten vertrug sich nicht mit der Schlichtheit der Mode, wie man sie bis dato zum Beispiel von der spanischen Hoftracht kannte. Mehr Prunk und Strahlkraft musste her. Und so kam es, dass bei der Robe à la Française jedes noch so kleine Detail vom Kragen bis zum Knopfloch ausgeschmückt wurde. Wer etwas gelten wollte, musste sich beteiligen. Vor allem die gold- und silberdurchwirkten Seidenbrokate aus Italien waren am Hofe sehr beliebt.

Hochwertige Materialien wie Brokat, Samt, Seide und Damast waren teuer und vor allem der Oberschicht vorbehalten. Wer sich Brokat leisten konnte, galt als jemand von hohem Stand. Sogar Bürger, Handwerker und Dienstmädchen verschuldeten sich, nur um am Schaulaufen der Eitelkeiten teilzunehmen. In Europa gab es indes einen enormen Markt für ungewöhnliche Stoffe. Es konnte gar nicht bunt und verspielt genug sein. Aber werfen wir mal einen Blick zurück in die Zukunft, denn gerade erlebt Brokat seine Renaissance und revolutioniert erneut unsere Kleiderschränke.

Im 21. Jahrhundert werden jedoch ganz neue, innovative Techniken benutzt, um einer Denimhose, einen prunkvollen Look zu geben. Mit Hilfe eines Flockprints werden jaquardähnliche Muster samtartig auf die Hose gedruckt. Das wirkt edel, überzeugt aber trotzdem mit Understatement  – ganz anderes als bei Ludwig XIV. Weniger ist eben manchmal mehr uns so lautet das Sytling-Gebot der Neuzeit: Gerne aufmotzen, aber ohne zu klotzen!

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