Das Spiel mit der Verhüllung – Der Transparent-Look

04/11/2013

Was hatte sich Yves Saint Laurent nur dabei gedacht? Er hatte es doch tatsächlich gewagt, die Regeln des Konservatismus zu brechen, als er in den 60ern als erster großer Modeschöpfer ein Model in einer see-through-Bluse über den Laufsteg schickte. Für die prüden USA war das ein Modeskandal, für Yves Saint Laurent war es der Anfang von etwas ganz Großem…, denn in den kommenden Jahren sollte er die Mode der Damenwelt revolutionieren. Der französische Modeschöpfer ersetze Eleganz durch Verführung und verfolgte mit seinen gewagten Kreationen vor allem ein Ziel: Begierde erwecken. So wurde aus dem saisonalen Akzent ein immer wieder neu aufflackernder Trend.

Als Begründer des Nude-Looks hatte Yves Saint Laurent eine klare Einstellung zum Spiel mit den Reizen: „Schönheit? Interessiert mich nicht. Was zählt, ist Verführung, ist der Schock. Das, was unter die Haut geht. Und das ist etwas ganz Subjektives. Ich persönlich bin sensibler für Gesten als für Blicke, für die Silhouette oder alles andere.“ Fortan wurde die weibliche Silhouette also immer mal wieder in transparente Kreationen gehüllt – mit freier Sicht auf bis dahin Verborgenes. Eine Anlehnung an den französischen Boudoir-Stil, der für leicht frivole und häufig transparente Wäschemode stand, die tief dekolletiert und mit verspielten Details versehen war. Nur einen Hauch angezogener und alltagstauglicher. Doch beim Sheer-Look drängt sich wie bei kaum einem anderen Trend, die Frage nach der richtigen Dosierung auf, denn der richtige Einsatz von Reizen und Sexappel ist ganz unabhängig vom Zeitgeist immer noch eine Frage des guten Geschmacks.

Sheer_Look_Transparente_Outfits_detailWer sagt, das kann ich nicht tragen, liegt falsch. Der Transparent-Look ist etwas für jede feminine und selbstbewusste Frau, ein paar Stilregeln sollten aber immer beachtet werden. Ein Kleidungsstück im see-through-Style soll nicht schreien „Here I am“, vielmehr geht es um das Spiel mit Verhüllungen. Es geht darum, Einblicke zu gewähren und trotzdem den Reiz und die Neugierde zu bewahren. Am besten eignen sich hierfür Materialien wie leichter Chiffon oder luftige Seide, die der Figur schmeicheln. Besonders edel wird der Transparent-Look vor allem in gedeckten Farben wie Creme, Puder oder Rose. Dabei ist es wichtig, dass die Unterwäsche die gleiche Farbe hat, wie die der Bluse oder des Oberteils. Etwas rockiger wird der Sheer-Look mit dunklen Tönen wie Grau und Schwarz. Hier darf man ruhig etwas mehr provozieren mit dem, was man drunter trägt. Eine kragenlose Transparent-Bluse wie Faili wirkt im Bruch mit Denim, Lederjacke oder Blazer gleich viel lässiger. Das ist die Kunst, aus wenig Stoff, viel zu machen.

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